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Ziel fix. Lernweg flexibel.

Autorenbild: oliver.rieder
oliver.rieder
vor 1 Tag
2 Min. Lesezeit

Heterogene Lerngruppen sind in der beruflichen Weiterbildung keine Ausnahme. Sie sind der Normalfall. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie wir Unterschiede vermeiden, sondern wie wir Lehrgänge so gestalten, dass sie damit umgehen können.


Eine Teilnehmerin bringt zehn Jahre Praxiserfahrung mit, kennt aber ein bestimmtes Modell nicht. Ein anderer Teilnehmer kennt die Theorie, hat sie jedoch kaum angewendet. Trotzdem erhalten beide häufig dieselben Inhalte, dieselben Übungen und dieselbe Bearbeitungszeit.


Das ist nicht nur didaktisch unbefriedigend. Es führt auch zu vermeidbarem Aufwand: Erfahrene Teilnehmende fühlen sich unterfordert, andere verlieren den Anschluss – und Lehrpersonen versuchen, die Unterschiede während des Unterrichts spontan aufzufangen.


Das eigentliche Problem liegt deshalb häufig nicht bei der heterogenen Lerngruppe, sondern in einer zu starren Lernarchitektur.

Gleiches Ziel bedeutet nicht gleicher Weg


Individualisierung bedeutet nicht, für jede Person einen eigenen Lehrgang zu entwickeln. Das Kompetenzziel und die Anforderungen an den Leistungsnachweis bleiben verbindlich. Variabel ist die Unterstützung auf dem Weg dorthin.


Wer Grundlagen benötigt, erhält zusätzliche Erklärungen, Beispiele oder geführte Übungen. Wer bereits über das notwendige Vorwissen verfügt, kann früher in komplexere Anwendungen und Transferaufgaben einsteigen.


Ein Marketingmodul kann beispielsweise für alle mit derselben anspruchsvollen Transferaufgabe enden. Der Weg dorthin unterscheidet sich jedoch: Einige Teilnehmende bearbeiten zuerst eine Grundlagenübung, andere steigen direkt in eine vertiefte Fallanalyse ein.


Drei Entscheidungen für die Lernarchitektur


  1. Ausgangslage diagnostizieren: Vorwissen, Anwendungskompetenz und Praxiserfahrung kurz erfassen.

  2. Gemeinsames Ziel definieren: Klar festlegen, was alle Teilnehmenden am Ende tatsächlich können müssen.

  3. Unterstützung variieren: Lernressourcen, Übungen, Feedback und Begleitung an den jeweiligen Bedarf anpassen – nicht aber die Qualitätsanforderung.


Digitale Lernplattformen und KI können dabei helfen, Wissenslücken sichtbar zu machen, passende Übungen bereitzustellen und individuelles Feedback zu unterstützen. Sie ersetzen jedoch nicht die didaktische Entscheidung darüber, welches Kompetenzziel verbindlich ist.


Wichtig bleibt: Teilnehmende sollten nicht dauerhaft als «Beginner» oder «Expert» etikettiert werden. Eine Person kann in einem Themenfeld sehr erfahren und in einem anderen unsicher sein. Lernwege müssen deshalb situativ und durchlässig bleiben.


Mein Grundsatz lautet: Ziel fix. Lernweg flexibel.


Nicht alle müssen gleich lernen. Aber alle müssen wissen, wohin sie lernen – und woran sie erkennen, dass sie das Ziel erreicht haben.



 
 
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